Post an Wagner

Post an Wagner

Selbst in Abetracht der komplett abhandenen journalistischen Qualität der BILD (ohne „-Zeitung“), frage ich mich, wie Sie, Wagner, sich bei diesem Käseblatt nach oben geschlafen haben, nachdem Sie bei der Bunten und der BZ bereits geschasst wurden. Sicher, Sie haben das Buch „Die 7 Todsünden beim Artikelschreiben“ gelesen, aber dort etwas grundlegend falsch verstanden: Die Dinge, die dort beschrieben sind, sollten Sie eben gerade NICHT machen. Schwamm drüber.

Ihren Tagesablauf, Wagner, stelle ich mir so vor: „Gegen fünf Uhr aufstehen und sich mit dem Frühstück viel Zeit lassen, damit Sie nicht in den Feierabendverkehr kommen“ (Winfried Bartnick), dann mit dem Auto in die Tiefgarage der BILD-Redaktion, mit dem Fahrstuhl in den 8ten Stock, ein wenig aus dem Fenster gucken und die Lichter der Großstadt genießen. Da liegt dann wieder so ein wichtiges Journalismus-Gefühl in der Luft: Hochhaus, es ist bereits dunkel, alle haben ihren Arbeitstag hinter sich, nur die lonely-Journalisten-Wölfe arbeiten noch an dem Clou für den nächsten Tag. Dann geht es an die Recherche, will sagen: Sie lesen die aktuelle BILD und gucken sich im Fernsehen die Aufzeichnung von Akte investigativ an. Um sich besser in Ihre Zielgruppe einfühlen zu können, machen Sie Ihre erste Flasche Rotwein auf und trinken sie in einem Zug aus. Dann öffnen Sie die zweite Flasche und wenn Sie dann in Ketten liegen (metaphorisch für: sternhagelstrunzenvoll sein), dann machen sich ans Schreiben. Dabei kommt dann unter anderem so was raus:

Sehr geehrter Herr Steinmeier,
das Herzeleid singt sein Hohelied vom unschuldig, in Ketten gehaltenen, gefolterten Bremer Türken in Guantánamo – und zeigt mit den Fingern auf Sie.

Sie hätten den Häftling erlösen, befreien können. Sie haben es aber nicht gemacht. Ich hätte es übrigens auch nicht gemacht.

Sie liegen in Ketten, aber da war der 11. September 2001. Die Attentäter vom 11. September waren arabische Hamburger Studenten. Sie waren unauffällig und nett. Sie haben bei Aldi und Kaisers eingekauft. Niemand sah es ihnen an, dass sie Massenmörder werden.

Ich finde es absolut korrekt, wenn Sie sich im Zweifel für die Sicherheit entscheiden. Der Bremer Türke ist für mein Leben nicht so wichtig. Wichtig ist für mich die Sicherheit.

Herzlichst
Ihr F. J. Wagner
(via via)

Unter uns, Wagner: Ihre schwül vorgetragenen rassistischen Gehirnfürze sind für mein Leben nicht wichtig und das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen. Inhaltlich bedienen Sie zwar Ihre Zielgruppe, die deutschen Stammtische – formell aber maximal die, die bereits unter selbigem liegen.
Metaphorik, Wagner, sollte man denen überlassen, die es können. Und das Denken ebenfalls – z.B. den Pferden, die haben den größeren Kopf. Sie, Wagner, sollten hingegen vielleicht Ihren Tagesablauf ändern: Bleiben Sie einfach liegen. Am besten für immer.

Der Berliner Suffkopp ist für mein Leben nicht wichtig. Wichtig ist für mich erstmal mein Mittagessen.
In diesem Sinne: Mahlzeit
Ihr pantoffelpunk

7 Responses »

  1. Also, die wagner_post habe ich dreimal die Woche in meiner Frühsendung. Zuerst fand ich diesen Schwachsinn erheiternd. Dann kam der Artikel mit den Kranichen im Kopf. Danach schrieb er für eine gesamte Woche nicht mehr. Vermute, er war zu einer Kurzentziehungskur abkömmlich. Aber über eine längere Zeitspanne von mehreren Wochen betrachtet: untragbar. Trost: Das Sprachgeschwurbel ist für den gemeinen Bild-Leser nicht nachvollziehbar.

    Viele Grüße
    Hamster

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