Monthly Archives: Januar 2006

Na gut, so schlecht sind blogs gar nicht…

Na gut, so schlecht sind blogs gar nicht…

In meinem ersten Beitrag, den ich entgegen der Datumsangabe irgendwann im September wohl schrieb (oder so), habe ich mich noch sehr weit aus dem Fenster gelehnt und blogs generell als eher uninteressant gedisst.

Seit ich mich eingehender damit befasse und mich vor allem in der Nachbarschaft umschaue, muss ich feststellen, dass es eine ganze Anzahl wirklich sehr guter, netter, entspannender, lustiger, informativer blogs gibt. Einige wenige habe ich in der Navigation gelistet … aber da gibt es noch so viel mehr, auch wenn man vielleicht nicht immer alles versteht.

Was aber macht wohl den Charme dieser digitalen Tagebücher aus? Als erstes muss man blogs wirklich ma unter dem Aspekt sehen, dass all die furchteinflößenden javascript und –Applet überfüllten Mega-Colorshock-Ich-habe-ein-HTML-Buch-gelesen-und-muss-jetzt-mit-möglichst-viel-Brimborium-in-die-Welt-hinaustragen-worauf-es-beim-Taubenzüchten-ankommt-Hobby-Homepages in Zeiten des sogenannten „Web 2.0“ tatsächlich langsam aber sicher von der Bildfläche verschwinden – dank opensource-blog-Software oder voreingestellten ISP-Blogs. Cool – natürlich findet man immer noch gähnend langweilige Themen, aber die Augen tun nicht mehr so weh.

Als zweites empfinde ich den Umgangston in den blogs sehr angenehm – anders als in einigen mir bekannten Foren, wird hier nie oder höchst selten gemosert oder gar beleidigt, was nicht interessiert, wird weggeklickert, getreu dem Motto „bloggen und bloggen lassen“ – ungewohnt, aber angenehm. Ich habe sogar den Anschein, dass das „Sie“ vorherrschend ist, habe das aber noch nicht zur Gänze eroieren können, schildern Sie mir gern Ihre Eindrücke.

Drittens: Die blogszene lebt. Manche Informationen sind über blogs schneller verbreitet, als über Spiegel-Online oder die tagesschau – man denke nur an das Foto vom Ludwigshafener Nazi-Aufmarsch mit der Banderole „Denn Du bist Deutschland„. Oder, ganz großes Kino, die Enttarnung zweier BND-Agenten. Aber Psssst. Nicht weitersagen.

Und viertens finde ich in den blogs, die ich gern lese einen sehr angenehmen Gegenpol zu den Schönen und Reichen und Erfolgreichen und Gelackten und Geföhnten, die uns im Fernseh vorgegaukelt werden. Alle sind höher, schneller, weiter oder auch kaputter, kranker, dümmer, alles ist mega-superlativ und zwar heute als nicht mehr toppbar gepriesen doch morgen schon wieder langweilig, weil getoppt… In blogs findet man bisweilen eine ruhige, herrlich erfrischend normale Welt wieder: Was ich aus Berlin lese, ist gestern vielleicht auch in meiner Küche passiert – nur kann ich es nicht so schön beschreiben oder entwickle nicht eine so herrlich weltumspannende Philosophie daraus, wie mein Toast angebrannt ist. Schön.

Sicher wird auch der voyeur mir befriedigt, wo sonst kann man so unbehelligt zum Teil bis ins Schlafzimmer anderer Leute gucken?

Tja. Und ich habe jetzt auch ein blog. Das einzige, das mir jetzt noch fehlt, sind Leser. Aber zur Not komme ich auch ohne die aus. Habe schon ganz andere Sachen gemeistert.
Zum Beispiel in der Kieler Unipsychiatrie für Kinder und Jugendliche unter einem griechischen Wurzelzwerg (140 cm), einem narzisstischen Choleriker mit Minderwertigkeitskomplexen (140 cm) gearbeitet, aber dazu vielleicht andern Tach mehr.

Der Astronaut kommt nach Hause

Der Astronaut kommt nach Hause

Tjahaaaa, Mellow Mark, einer meiner absoluten Favoriten. Ich habe ihn in Kiel in der Pumpe gesehen, zusammen mit Culcha Candela, Martin Jondo war leider erkrankt (übrigens 8,- Euronen für drei Bands, für Seeed sollte ich in Flensdorf 28,- Euronen zahlen [und was sagte die Liebste von Herrn Paulsen zu denen und hatte Recht? „Weia!, ohjeh, ach Gott!…„]), aber ich verliere mich und wollte etwas ganz anderes schreiben, doch vorher muss ich mich noch mal verlieren, nämlich: Auf dem Summerjam habe ich meine träge Crew am Samstag gedrängt, mit mir schon um 13:00 Uhr aufs Gelände zu gehen, weil Mellow Mark spielt und den MÜSSE ich sehen. Alle so: „Öaah.“ und „Och.“ und „Joa.“ und „Will noch dies!“ und „Will noch das!“ Nach dem Konzert dieses überaus sympathischen jungen Mannes mit der Gitarre haben sich alle bedankt, dass ich doch so aufdringlich war. Bitte.

Nun zum eigentlichen:
Herr Mark hat also ein neue Single ausgekoppelt und beim ersten Blick ich meine Hören denkt man: „Nur er selbst weiß, warum er ausgerechnet diesen Track ausgesucht hat.“ Es ist sein absolut schwächstes und uninspiriertestes Lied ever … aber das Video, das ist wirklich schnuckelich.

mlo

Wer jetzt gerade das erste mal etwas von Mellow Mark gehört hat, dem sei auf jeden Fall dieses und dieses (hier in einer mir unbekannten und etwas befremdlichen Version) und dieses Lied noch empfohlen, das es auch in einer sehr schönen Combination mit Gentleman gibt (alles für den Real Player).
Außerdem natürlich: Kaufen – denn wer das saugt und brennt, ist ein Arschloch, von wegen Dieter Bohlen und alles.

NPD: Hier findet jeder eine Heimat…

NPD: Hier findet jeder eine Heimat…

Bei Recherchen stieß ich auf den im Bild eingekreisten jungen Mann. Traurig war er lange Zeit, hatte Schwierigkeiten in der Gesellschaft Fuß zu fassen, leidet er doch unter dem Tourette-Syndrom, einer Art verbalem Tick.

ficken

In der NPD jedoch hat man ihn mit offenen Armen empfangen, liebevoll aufgenommen, ihm die Aufmerksamkeit, die Zuwendung gegeben, ihn mit tief empfundener Wichtigkeit versorgt.
Hier ist er wieder wer. Friedemann Mosepuckel.
Ein Mann geht einen Weg.

Du bist Deutschland III

Du bist Deutschland III

In Pömmelte haben jugendliche und ein junger erwachsener Nazi einen 12-jährigen gefoltert, ihm mehrfach die Nase gebrochen, ihm Zigaretten im Auge (SIC!) ausgedrückt, ihn gedemütigt. Mitten im Dorf. Vor Häusern. Um 17:00 Uhr.

Die Dorfbewohner haben nichts gesehen. Autos versperrten die freie Sicht auf das Geschehen, die Gardinen waren zu.

Du bist nichts als Deutschland

Pömmelte ist nichts sehen, nicht hören, nichts sagen. Und genau DAS ist Deutschland.

100 Sonnen

100 Sonnen

Wir wohnen in einem kurz vor 1900 gebauten ehemaligen Bauernhaus mit eigener Wasserpumpe, so dass wir für Wasser nix bezahlen müssen. Der Fußboden knartscht, der Garten hat gute 2500qm, der Sandkiste wird Schatten von einer 100jährigen Eiche gespendet. Wir zahlen so viel Miete, wie eine Freundin in Kiel für eine 2,5 Zimmerwohnung ohne Balkon an einer viel befahrenen Hauptstraße. Kleiner Wermutstropfen: Die tragenden Balken sind in einem Anfall von Modernisierungswahnsinn in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verkleidet worden. Schade. Aber viel wichtiger: Wenn ich laut Musik hören will, höre ich laut Musik. Ganz laut. Zum Beispiel diese Kollegen hier oder diese hier oder selbstverständlich auch diese hier und auch sehr gern das neue Album dieses Herren, von dem in Hundert Jahren noch geredet werden wird… Eigentlich also alles recht schön. Wenn da nicht diese fehlende Isolierung wäre, die bei Nichtheizen folgender Gleichung folgt: Raumtemperatur=Außentemperatur+1. Und wenn dann wie heute die Heizung einfach mal nicht heizt, muss man mit Handschuhen tippen, das führt zu Rechtschreibfehlern und schlechter Laune.

Ja, bei minus 9°C Außen- und (siehe oben) minus 8°C Innentemperatur wird einem dann doch warm ums Herz, wenn man einen vielversprechenden Link zu den Hundert Sonnen entdeckt, zumal der Hoster Michael Light heißt…

sonne.jpg

Aber, wie heißt es so schön, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Wenn der Ölmann zwei mal klingelt…

Wenn der Ölmann zwei mal klingelt…

… dann pumpt er unseren Tank voll und wir können wieder heizen und warm duschen, das ist toll. Dummerweise bekommt man 2 Tage später eine Rechnung, und da die Heizöllieferanten besser als alle anderen wissen, wie sich die Preise in den letzten 700 Tagen entwickelt haben (Februar 04: 28 ct/ltr -> Januar 06: 57 ct/ltr), haben sich die Marketingstrategen der Raiffeisen / Shell Gruppe einen ganz besonderen Marketinggag ausgedacht: Man druckt jetzt einfach einen unschlagbar guten Witz auf die Rückseite des Umschlages, damit der Kunde beim Öffnen der Rechnung was zu lachen hat:

ha ha ha - guter Witz

Ob es mehrere Witze zum Sammeln gibt, ist mir nicht bekannt. Bei der nächsten Heizölrechnung werde ich berichten.