Korrektur

Korrektur

Ein X für ein U oder eine 11 für eine 5 vormachen… das willst Du, MoPo, uns.

Warum nur, frage ich mich, reicht die Tragik und Dramatik, wenn ein Kind sexuell gequält und anschließend ermordet wird, nicht aus, die satisfaktionsunfähigen, deutschen Couch-Potatoes zu befriedigen?

Und warum drehen gerade die sich so moralapostolisch gebärdenden Medien immer wieder an dieser Sensations-Schraube und versuchen krampfhaft, noch einen drauf zu legen, anstatt ihrer Verantwortung gerecht zu werden?

Warum muss RTL den Arzt, der Uwe K. behandelt hat, fragen, wie er sich als Familienvater fühlt, einem Mörder das Leben zu retten (und warum haut der Arzt dem Reporter nicht einfach eine rein?)?

Und warum muss die Hamburger Morgenpost die Tatortfoto-illustrierte Story vom Selbstmordversuch des mutmaßlichen Mörders in der Absicht, dieser einen noch theatralisch-dramatischeren Touch zu verleihen, so dermaßen dämlich und abstoßend ekelhaft trivialisieren und folgendermaßen schlagzeilen:

„Er wählte die Linie 11, hier hatte er den Jungen angesprochen!“

Ekelhafte Morgenpost
Quelle: MoPo

Und warum zum Henker halten die Morgenpost-Redakteure Ihre Leser für vollkommen
blind oder so doof, dass sie annehmen, man sähe nicht, dass Uwe K. hier
vor der Linie 5 liegt?

Update 04.03.2007: Klugscheißer und Thomas F. aus B. bei K. hatten Recht: Es muss die Linie 11 gewesen sein, denn es gibt gar keine Linie 5 in Leipzig. Ich entschuldige mich (ein bisschen schweren Herzens*) bei der Hamburger Morgenpost für die falschen Anschuldigungen.

(*=Schweren Herzens deshalb, weil der Stil eines solchen Titels trotzdem ekelhaft ist und weil sich die MoPo auch ihrerseits nicht zu entschuldigen erniedrigt. Zum Beispiel als Sie den des Prostituierten-Mordes verdächtigten Engländer in Großaufnahme auf dem Titel vorverurteilt hatten – inklusive Lebensgeschichte und Laienpsychogramm. Als ein paar Tage später der wirkliche Täter gefasst wurde, hat sich die MoPo zu diesem Titel nirgends geäußert.)

Und darum trotzdem: Weil es alles Arschlöcher sind. Alles Arschlöcher.

11 Responses »

  1. weil die MEDIEN heutzutage eine solche Macht haben, aber die Leute auch so blöde sind so was zu kaufen–Am besten noch ein Bild dabei, wie wie die Gedärme langsam aus dem Leib drücken, das steigert die Auflage…
    Das Photo in der Bildzeitung soll noch besser gewesen sein…
    Aber wer glaubt schon noch an eine seriöse, unvoreingenommene Berichterstattung…
    Auch das Photo vom dem Jungen mit seinem (warscheinlichen) Mörder in der Strassenbahn… Schon mal jemand an die Eltern gedacht ??

  2. Bild (vorhin beim Bäcker gesehen) titelt sogar extra „Hier liegt der Kinderschänder auf den Schienen“ oder so. Ich erinnere mich leider gott sei dank nicht mehr an den genauen Wortlaut der Schlagzeile.
    Klopapier halt.

  3. Ich finde die Berichterstattung auch eklig. Aber der Fehler bei der Straßenbahnlinie liegt auf deiner Seite. Wenn du genau hinschaust, ist das nicht die Linie 5 in Richtung Dienstfahrt, sondern ein großes S, für Sonderfahrt oder Ähnliches. Nein, ich weiß auch nicht, warum da kein D steht, aber fest steht: Bei der 5 fehlt links oben die Ecke.

  4. Also wenn ich auch mal klugscheißen darf: Es genügt ein Blick in den Linienplan der Leipziger Verkehrsbetriebe (www.lvb.de) um zu sehen, daß die Linie 11 als Einzige die fragliche Haltesetelle anfährt und die Linie 5 gar nicht existiert (vielleicht wg. Verwechslungsgefahr mit „S“ ?) Somit hat mein werter Vorscheißer wohl doch nicht so falsch gelegen.
    Im übrigen gebe ich dir aber recht: Alles Arschlöcher.

  5. Der Fahrer der Linie 5 hat auf den Fahrplan geschissen und ist einfach schnell zur Unfallstelle geeilt, weil er auch mal drüber wollte, oder weil er auch mal auf die Titelseite wollte mit seiner Emma.

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