..Paranoia..

14. August 2007, 17:31 Uhr von Dieter Petereit

Sobald die Dämmerung anbricht, materialisieren sich Schäubles Fantasien in meinen Gedanken. Fiese Kreaturen in Hut und Mantel umschleichen meinen Geist und verursachen spontane Koliken. Nur mit viel Alkohol gelange ich noch in einen, wenn auch unruhigen Schlaf. Atemlos werfe ich mich von einer Seite auf die andere, während ich in meinen Träumen von Helikoptern voller Scharfschützen verfolgt werde und das mutmaßlich alles bloß, weil ich beim Weggehen einen Zettel außen an die Haustür geklebt hatte mit der Aufschrift: “Bin im Laden”? Scheiße. Was ist da bloß schiefgelaufen?!

Kaum erwacht, muss ich aus glasigen Augen erkennen, dass unsere (gleichgeschalteten? zitter…) Medien über die aktuelle Ausgabe der Studie WebMonitor, die von Forsa und Bitkom im monatlichen Turnus erstellt wird, berichten. Von “freiwilliger Datenschutzaufgabe” ist die Rede und davon, dass heutzutage sowieso jeder Bürger, jedenfalls nahezu jeder, immerhin 20 % oder so, bedenkenlos private Informationen ins Internet stellt. Ganze Lebensläufe und sogar Bilder sollen wohl gesichtet worden sein. “Na und? Was soll uns diese Neuigkeit denn sagen?”, murmele ich so leise vor mich hin, dass selbst eine gute Wanze das niemals gehört haben kann…

Meiner Befürchtung nach soll mit solchen Studien und Meldungen eine Stimmung der Datenfreigiebigkeit in der Bevölkerung geschürt werden. “Kommt Leute, ob ihr´s jetzt irgendwo hinbloggt oder gleich dem Staatsschutz zu Protokoll gebt…” Worin sollte sonst der Nutzen bestehen? Ständig wird die Volkszählung Anfang der Achtziger heraufbeschworen. Gegenpol sind jetzt die bloggenden und/oder communityaktiven Bundesbürger heutiger Prägung? Da muss man ja schon ganz schön dämlich sein, um auch nur diese Relation aufzubauen. Allerdings ist Dämlichkeit in der derzeitigen Regierungskoalition nun auch wieder nichts, was man von vornherein ausschließen könnte. Nur sollten die Politdoofisprofis in diesem Zusammenhang nicht von sich auf die Bevölkerung schließen.

Außerdem macht es schon einen Unterschied, ob sich Bürger Schmidtkunz dazu entschließt, zB in seinem Blog etwas aus seinem Privatleben zu erzählen oder ob die Informationen staatsseitig abgefordert werden dürfen. Freiheit bedeutet schließlich auch, mich komplett zu entleiben, wenn ich das möchte.

Verdammt. Ich glaube, die letzten 7/8 Sätze habe ich zu laut gedacht…

“Wolfgang? Was.. machst Du denn.. Wie, ich hab´s doch gesagt… Nein, das war doch nur ein Beispiel! Nein, ich will mich nicht entleiben! Aaaaaaaaahh”

[Gastbeitrag vom Hüttenblogger dpetereit ]

flattr this!

3 ma was gesacht

  1. [...] Weiterlesen beim Pantoffelpunk >> [...]

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  2. Genau das ist der springende Punkt. Den Unterscheid zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Datenfreigabe mit der Suggestion “seht hier – macht heute doch eh schon jeder” zu verwischen, ist schlichtweg wieder Volksverdummung.
    Die Urlaubsvertretung hier gefällt mir übrigens sehr gut, fällt kaum auf dass der Hauspunk weg ist ;)

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  3. Entleibender Beitrag, und vollkommen korrekt. Ich entscheide, welche meiner Daten ich wann wem wie zur Verfügung stelle. Alles andere ist Überwachung.

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Sach ma was...

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Datum: Dienstag, 14. August 2007 um 17:31
Kategorie: Gastbeitrag, Schäuble-Content
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