pardon heißt Entschuldigung

pardon heißt Entschuldigung

1961 gründeten die Herren Nikel und Bärmeier die Satirezeitschrift pardon und rekrutierten Autoren wie Robert Gernhardt, F.W. Bernstein, Kurt Halbritter, Hans Traxler, Stano Kochan, Chlodwig Poth und vor allem F.K. Waechter, der seinerzeit das Teufelchen des Logos schuf:

Kein pardon für Rassisten…

pardon verband Politik mit Witz, Information mit Satire und Philosophie mit Grafik. Trotz ihres hohen Anspruchs hatte pardon von Anfang an Erfolg. Hier wurde nicht – wie sonst üblich – vom Schreibtisch aus für die Leser produziert:

Die von pardon neu erfundene Institution der pardon-Aktion sorgte regelmäßig für Aufregung in der Bundesrepublik. Veränderungen wurden bis in den Bundestag hinein angestoßen. Zumeist waren es Aktivitäten auf der politischen Rechten, die pardon angriff. Aber es gab auch satirische Analysen, Aktionen und Angriffe auf den Spiegel, den Stern oder die Frankfurter Rundschau. Die FAZ musste ein Vierteljahrhundert später konstatieren: „pardon hat unter Nikels Leitung mit dessen literarisch-satirischem Spürsinn 18 Jahre lang Einfluss auf den Zeitgeist der Republik genommen – eine markante Phase der Nachkriegsgeschichte.“

Quelle: wikipedia

1979 trennten sich das ursprüngliche Team, dem zwischenzeitlich auch Loriot, Alice Schwarzer, Günter Wallraff u.a. angehörten. Die Zeichner und Autoren der Neuen Frankfurter Schule gründeten die Titanic. Nikel akquirierte neue Autoren wie Elke Heidenreich , Peter Härtling, Freimuth Wössner, Gerhard Seyfriedt (Groß, ganz groß! Nach wie vor ist Freakadellen und Bulletten eine Bibel!) und auch Rauschenbach, Brösel und Bernd Pfarr, der bekanntlich später auch für die Titanic (Sondermann wird rücksichtslos!) hoch aktiv war. 1980 wurde pardon an Henning Venske (Hallo Henning, hallo Liloooo…) verkauft, der das Blatt jedoch nicht retten konnte.

2004 hat Bernd Zeller, ein ostdeutscher Mittelklassesatiriker, der im Vorfeld für Titanic und den außerordentlich unlustigen Eulenspiegel gearbeitet hatte, pardon mit der Prämisse, „Studenten und aufwärts – ein Publikum, dem Titanic zu bemüht lustig sei“ zu bedienen, wiederbelebt. Trotz hochkarätiger Autorenbesetzung (Harald Schmidt mit einem Absagebrief in Nummer eins nach Venske, Roger Willemsen, Götz Alsmann, den großartigen Wigbold Dortse Wiglaf Droste und andere) sank die Auflage schon nach zwei Ausgaben auf 12.000.

Als ich heute nach einer google-Bildersuche zufällig auf PI gestoßen bin, sah ich ebendort einen Banner von pardon. Das hat mich in Kenntnis der Geschichte dieses heldenhaften Blattes schwer verwirrt und ich dachte mir, dass es meine Pflicht sei, den zuständigen Stellen diesen Frevel zu melden. Ein Klick auf www.pardon-magazin.de und was seh ich:

Ja, nee… is klar!

Ich glaube, Herr Waechter würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was unter dem Stern seines Teufelchens heute passiert.

Oh Gott, ist das alles furchtbar. Und Herr Plikat, was bitte schön machen Sie denn noch in diesem Team der Namenlosen?

27 Responses »

  1. Tja Pantoffelpunk, wenn der bernd das sagt, wird’s wohl stimmen: Du gehörst jetzt zum Establishment. :D
    Und: Ack, der Linktausch zwischen PI und Pardon ist abartig. Sind wohl irgendwelche persönlichen Seilschaften.

  2. sic transit gloria mundi.

    mir ist vor ein paar monaten auch aufgefallen, dass pardon und die, die zum lachen in den keller gehen, sich gegenseitig verlinken. es handelt sich hier offenbar um den zusammenschluss minderbegabter satiriker, denn: anders sind die achsenmächte, die pi-ssnelken und lieschen müller nicht einzuschätzen. :-)

  3. Die „Achse des Guten“ ist so ein typisches Beispiel, was mich hierzulande ankotzt:
    Ein Verein von intellektuellen Klugscheißern, die den NeoCons dieser Welt in den Arsch kriechen und dies dann als „gegen den Strom schwimmen“ bezeichnen.
    Sozialisten und Kritiker des herrschenden Systems werden als „Gutmenschen“ (?) betitelt, das neue Lieblingswort der scheiß NeoLibs.
    Und gegen Michael Moore wird auch etwas Gift verspritzt (siehe Enzyklopädie der Alltagsqualen von Hannes Stein).

    Liebe Pipi-Brüder, Ihr seid ja soooo mutig, euch auf die Seite der Mächtigen zu stellen und die wahren Kritiker im Land, die gegen die neoliberale und neokonservative Elite angehen dumm anmachen müsst.
    Ihr seid nichts als angepasste Sülzheinis, die sich für kritisch halten; peinlich…

  4. na kritzel kratzel, du schwimmst aber unheimlich gegen den strom mit deinem gemecker über die pöhsen neocons und dass jemanden deinen persönlichen messias moore nicht mag, geht für dich auch gar nicht, oder?

    „neoliberale und neokonservative Elite“, „die mächtigen“ – wie kreativ, das soll gegen den strom sein? ich gratuliere dir, grönemeyer und geldoff sitzen auch in deinem boot – du politrenter. wir sind nicht mehr 1968 :-) wie der rest des blogs ist dein gejammer der beweis für einen geistigen rückschritt um mindestens 40 jahre.

  5. Ach, Bernd, die Verwendung des Wörtchens Gutmensch ist in meinen Augen aber gar ein Rückschritt um gute 66 Jahre, was, Kamerad? „Na, werrr hats erfunden?“ Kleiner Tip: Die Schweizer warens dieses mal nicht, knick-knack.

  6. Heil Bush! Heil Schäuble! Heil Sarkozy! Heil Merkel! Heil Stoiber! Heil Söder! Heil Pofalla! Heil Wolfowitz! Heil Westerwelle! Heil Kohl! Heil Dollar! Heil Hundt! Heil Senkung der Lohnnebenkosten! Heil Eurostabilitätspakt! Heil Überwachungsstaat! Heil Sozialabbau! Heil Ratzinger! Heil Diekmann! Heil politsche Elite! Heil Praxisgebühr! Heil Berater! Heil Hartz! Heil FAZ! Heil Massenverblödung!

    Sind Massa Bernd jetzt mit kritzel kratzel zufrieden? Kann kritzel kratzel kotzen gehen?

  7. Bernd ist offensichtlich ein A-loch, wenn für ihn „Gutmensch“ und „1968“ schlimmste Beleidigungen sind, außerdem bin ich mit 24 Jahren wohl ein wenig zu jung für einen Alt-68er, selbst mein Vater ist jünger als die meisten von denen.

    Mein lieber Bernd K., wenn du dir mal die Welt Anno Domini 2007 anguckst siehst du überall NeoCons und NeoLibs in die Chefsessel der Welt furzen!

    Wer bestimmt die öffentliche Meinung von (D)?
    Bertelsmann und Springer!

    Wer regiert seit Jahren dieses Land/diese Welt?
    NeoCons und das kleinere Übel, die NeoLibs!

    So sieht’s aus, ein Kanzler, der sich selbst als „Genosse der Bosse“ bezeichnet kann doch nur ein kapitalistisches Arschloch als wahren Sozi verkaufen!

    Wer ist heute noch „links“ (was immer das bedeuten mag)?
    Keine Sau!

    Anpassung an die NeoCons allerorten und im gelobten Land Amerika ist das natürlich noch schlimmer!
    Die politische, kulturelle und wirtschaftliche Macht ist in den Händen von kapitalistischen, kriegstreiberischen, religiös-fundamentalistischen, umweltzerstörenden Arschlöchern!
    Und Michael Moore ist in Amerik kein Meanstream, noch nicht einmal überall in Deutschland!

    Nur weil du hier im Internet auf 3 linke Blogs gestoßen bist, zählst du die Kritiker an unserem System gleich zum „Establishment“…? Logik, wo bist du???

    Laber keinen Scheißdreck! Dann wähl halt deine DPCDSUF und f!ck dich!!!

  8. Hallo

    ich bemerke dass du dich fuer der Pardon interessiert. Vieleicht wurdest du interessiert sein, wenn du franzosich kann,mehrere video auf diesem Thema auf dem website Baglis TV anschauen. Die URL ist http://www.baglis.tv

    zur Kenntnisnahme!

    Gruss

  9. Wer sich einmal das neue Pardonheft August-September-2007 zur Hand nimmt, wird feststellen, dass dort jeder zweite Cartoon in irgendeiner Form Muslime aufs Korn nimmt, die fast ausschließlich als Bombenleger dargestellt werden. Zusätzlich gibt es einen Essay, der sich kritisch mit der Toleranz gegenüber dem Islam auseinandersetzt.

    Da kann es nicht wirklich wundern, dass im gleichen Heft eine Anzeige für PI geschaltet ist, oder? Offenbar gibt es da eine Geistesverwandtschaft, was wirklich eine Schande für den Namen Pardon ist.

    Vielleicht will der Herausgeber aber auch nur die Marktlücke „rechtslastige Satirezeitschrift“ füllen. Aber das wird ein Oxymoron bleiben.

  10. Das sind nicht Muslime, die als Bombenleger dargestellt werden, sondern muslimische Bombenleger. Darin besteht ein Unterschied. Wenn in einem Cartoon ein deutscher Nazi gezeichnet ist, werden damit auch nicht die Deutschen per se als Nazis bezeichnet. Der Cartoon zeigt dann einen deutschen Nazi – nichts weiter.

  11. @zela:
    Aaaah, verstehe: Und im Stürmer wurden damals ja nicht Juden, sondern nur jüdische Lustmörder dargestellt, also war das Blatt gar nicht antisemitisch, weil die normalen Juden schließich nicht drin vorkamen! Danke für die Aufklärung, das leuchtet mir natürlich vollkommen ein. *schlägtmiitdemkopfaufdietischplatte*

  12. Lustmörder – ist das was Sexuelles? Es erscheint mir unrelevant, ob ein Lustmörder Deutscher, Franzose, Jude oder Moslem ist. Dass es moslemische Selbstmordattentäter gibt, ist ja wohl unstrittig. Genauso wie deutsche Nazis. Und die Religion bzw. die Nationalität ist hier auch nicht unrelevant, denn sie selbst berufen sich ja auf diese. Was dem Lustmörder ziemlich egal sein dürfte.

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