Ein zweiter Teil meines Jahresrückblicks

Ein zweiter Teil meines Jahresrückblicks

Ich erwähnte kurz zuvor Julia Seeliger, die mir auch deshalb so sympatisch ist, weil sie mich so sehr an meine Jugend erinnert: Als ich mit 14, 15 in die ‚Szene‘ eintauchte, machten mir ältere Mädchen klar, dass wenn alle im Sitzen pinkeln, der Weltfrieden ein Stück näher rückt.

Überhaupt: Wenn Frauen endlich das Zepter übernähmen, hätten alle zu essen, es gäbe keine Kriege mehr und die Welt wäre aufgeräumter. Da die einzige Frau, die ich bis dato wirklich kannte, meine Mama war, die (wohl bis ich 14, 15 war) mein Zimmer aufgeräumt hatte (räusper), mir zu essen gab, wenn mich ein Hüngerchen plagte und ich mir zu 100% sicher war, diese bedingungslos liebende Frau würde nie einen Weltkrieg anfangen, fand ich die These – maggiethatcherverdrängend – einleuchtend und gut und war fortan auch frauenbewegt.

Julia Seeliger glaubt noch heute, dass Frauen die besseren Menschen seien und macht mit diesem Foto Werbung für Ihre Sache. Sie hat es freilich von einer Agentur freistellen lassen, denn gerade nach Kopenhagen müsste selbst der radikalsten EMMA-Redakteurin in den Sinn kommen, dass der Originalkontext des Bildes Frau Julia Lügen straft:

Frauen regeln das Klima! Juhu!

Naja.

63 Responses »

  1. geschlechtergerechte sprache gibt es nicht, dass liegt alleine schon an der differenz zwischen sexus und genus in der sprache (sonst: das tisch, das tür, der jungen, der männer… etc.) selbst bei „student“ (3.person plural von studere) ist das anhängen von „innen“ grammatikalisch falsch. das „binnen-i“ weist, berechtigterweise, auf eine faktische benachteiligung von frauen in unserer gesellschaft hin und versucht dies zu beeinflussen, der gebrauch des „_i“ geht davon aus, dass das große „binnen-i“ wieder ein dominanzverhältnis erzeugt und versucht dem entgegenzuwirken.
    das hinterfragen dieser versuche ist durchaus eine legitime sache wie ich finde, denn warum sollte man sich mit einem defizitären versuch begnügen, wenn es auch besser geht…
    und wenn missverständisse dazu führen andere dinge etwas genauer erkennen zu können ist das doch gar nicht so schlecht :)

  2. Zum Thema Hinterfragen: Ich weiß nicht, ob Formulierungen wie „GutmenschInnen“ oder „GrünInnen“, die recht häufig auf einschlägigen reaktionären Webseiten zu lesen sind, etwas hinterfragen sollen. Vielmehr geht es doch um das Lächerlich machen und Beleidigen von linken und feministischen Konzepten. Deshalb vermute ich, ist unsere liebe Isi hier auch so über die Stränge geschlagen.

    Ergänzend: Geschlechtergerechte Sprache gibt es selbstverständlich auch jenseits der Diskrepanz von grammatischem und natürlichem Geschlecht. Bei Berufsbezeichnungen etwa ist ja gar kein Unterschied gegeben. So empfinde ich es als sehr sinnvoll, dass Frauen (sofern sie die entsprechende Ausbildung genossen haben) als Bürokauffrauen bezeichnet werden. In den sechziger Jahren lernte frau noch Bürokaufmann. Das ist ebenso unsinnig, wie eine Frau, die Mathematik studiert hat, als Mathematiker zu bezeichnen. Weibliche Berufsbezeichnungen sind dabei auch gar nichts neues. Auch im Mittelalter hießen adlige Frauen schon Freifrau, Freiin, Gräfin oder Königin.

    Student (im Übrigen abgeleitet von studens, dem Partizip Präsens Aktiv von studere – mit dritter Person Plural hat das nichts zu tun) ist längst eingedeutscht und deshalb kann problemlos auch grammatisch korrekt eine weibliche Form gebildet werden. Beliebt und ebenso grammtisch korrekt ist heutzutage das deutsche Partizip Präsens als geschlechtsneutrale Anrede. Das sog. Binnen-i ist neben den ideologischen Schwierigkeiten auch einfach orthographisch falsch. Da halte ich mich als Germanistin lieber an die Empfehlungen der Dudenredaktion (z.B. hier: http://frauensprache.com/gleichstellung_duden.htm).

  3. bei berufsbezeichnungen gibt es hoffentlich keinen diskussionsbedarf, oder?
    (die ableitung von studens ist mir neu, und ist mir als „lateiner“ noch nicht untergekommen, aber ich lerne ja gerne dazu) wobei ich studierende für ne saubere lösung halte)
    und allein schon der gebrauch von „gutmensch“ sagt doch schon alles, mit solchen muss man sich nicht auseinandersetzen ;)

  4. Mich nervt einfach die vorgeführte Ignoranz:

    Emanzipation? Ja, aber bitte nur für Männer.

    Um mich auf diesem Niveau beschimpfen zu lassen, kann ich auch gleich zur NPD, den Piraten oder zu wgvdl.com gehen. Hier hätte ich etwas anderes erwartet.

    Und wenn jemand meint, er sei links, dann sind solche Ausfälle inakzeptabel. Egal, um was oder wen es dabei geht. Wenn unter Linken anderen das recht nicht zugestanden wird, sich zu äußern wie sie wollen, dann brauchen wir Emanzipation auch überhaupt nicht anzufassen. Emanzipatorische Politik ist ja nun keine On/Off-Kiste, die man(n) lediglich zum eigenen Vorteil öffnet und Frauen unzulässig vor der Nase zuschlägt.

  5. @lsi: Hast du irgendetwas im Kaffe gehabt? Lass den Punk doch seine Witze machen. Es zwingt dich ja keiner, hier mitzulesen. Und wo bist du bitteschön beschimpft worden?

    Wenn du auf die gewaltsame Gender-Anpassung jedes Wortes wert legst, dann kann ich dir ja mal die Salzstreuerin reichen und dich auf „Utopia, die Gewaltfrei-Anarchistische Jugendzeitung“ verweisen. Die machen das so konsequent, dass es fast ironisch wirkt. Prost Mahlzeit, Liebe Steuerhinterzieher und Steuerhinterzieherinnen!

    PS: An alle einen guten Rutsch!

  6. zur “ Gender-Anpassung jedes Wortes “ : wenn man z.B. immer „piraten UND PIRATINNEN“ schreiben muss, werden die sätze zu lang. das sieht auch einfach furchtbar redundant und scheiße aus. gerade im web 2.0. geht es doch um schnelle kommunikation. schon aus sprachästhetischen gründen ist die genderanpassung also nix. außerdem können heute selbst die rückständigsten männer beim wort „politiker“ die „politikerinnen“ mitdenken. ohne dass die weiblichen vertreter immer mitgenannt werden müssen. das gilt auch für „piraten“.

  7. na dann schreiben wir doch immer politikerin und piratin, dann isses auch nich so lang und sieht nicht so scheiße aus…

    damit könnte es probleme geben? aha…

    (und ich dachte echt, darüber müsste man nicht mehr reden…)

  8. Pingback: Ein Teil meines Jahresrückblicks | pantoffelpunk

  9. Schade. Als Pirat verliert man offenbar jede Kritikfähigkeit und schreibt am Ende noch wie die Leute bei PI? Entäuschend.
    Und deine Bilder waren auch schon mal lustiger. Setzen, Sechs.

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