Wie das mit pifo.biz lief

Wie das mit pifo.biz lief

Also.

Zunächst die Auflösung des Rätsels: Das Bundesverwaltungsamt (BVA) (möglicherweise diese Stelle) hat meinen Hoster am 12.05. um eine umgehende Sperrung der Domain pifo.biz gebeten, weil dort die Seiten des BMI nachgeahmt würden:

Bitte um Sperrung

Dem blieb also nicht wirklich die Wahl.

Puh. Ich habe ehrlich gesagt noch keine Ahnung, wie ich das werten soll.
Das Logo des BMI erreicht laut wikipedia zwar „nicht die nötige Schöpfungshöhe, um Urheberrechtsschutz zu genießen“, ist also gemeinfrei – was auch immer das in diesem Fall bedeuten mag, denn die Verwendung hoheitlicher Zeichen ohne Genehmigung stellt wiederum eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld bis zu 1000,- € belegt werden kann. Sicher gibt es da aber doch noch einmal Sonderregelungen für die Verwendung in Kunst und Satire? Vielleicht mag und kann jemand in den Kommentaren ein wenig Licht ins Dunkel bringen?

(Ich kann übrigens nicht so ganz unbefangen schreiben, weil so viele zugucken.)

Gut, um die Sache zu entzerren, versuche ich die Geschehnisse der letzten zwei Tage kurz mal zusammenzufassen:

Am 12.05. habe ich gegen 10.30 Uhr von meinem Hoster ohne Angabe von Gründen per eMail die fristlose Kündigung für die Domain pifo.biz erhalten. Die Domain war zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr erreich- und im Kundenmenü nicht mehr konfigurierbar. Die machen also Ernst. Von der Hotline, die ich sofort angerufen habe, war keine Stellungnahme zu bekommen und ich wurde an die Geschäftsführung des Hosters verwiesen, der ich eine email mit der Bitte um Aufklärung schickte. Kurze Zeit später hat mich der Hoster angerufen. Leider habe ich allerdings – wie geschrieben – immer noch keine konkreten Informationen zu den Gründen der Kündigung erhalten. Man könne mir zu den Gründen nichts weiter sagen, alles weitere würde ich in den nächsten Tagen per Post erfahren. Nach mehrmaligem Bitten, konnte ich dem Mitarbeiter entlocken, das BMI (!) sei an den Hoster herangetreten; es ginge um die Benutzung des Logos sowie um irgendwelche Links, die von der pifo-Sperrseite auf die originalen Seiten des BMI führen würden. Das erhaltene Schriftstück könne man mir leider nicht aushändigen. Eine Entkündigung könne ich erwirken, wenn ich versicherte, die beanstandeten Inhalte aus dem Netz zu nehmen. Sprachlos, wie ich in dem Moment war, habe ich das gemacht und eine htaccess-Umleitung in die Ordner gelegt, die auf die STICKY-Startseite des pantoffelpunk-blogs weiterleiteten (302, temp, natürlich :-).

Um die fehlgeleiteten Besucher zu informieren, habe ich diesen Artikel geschrieben, der mir dann gegen jede Erwartung nicht nur die höchsten Besucherzahlen ever (mehr noch als der Start der Sperrseite, das Fehlersuchbild, Oettingers Liste und sogar mehr als der Focus-Nepp) sondern auch einen Anruf vom Heise-Verlag und von der Zeit-Online bescherte sowie eine eMail von einem Handelsblatt-Autoren und Radio Fritz. Und hier muss ich mir erst einmal selbst einen Vorwurf machen: Ich hätte ahnen müssen, dass sich bei diesem sensiblen Thema vage geäußerte Informationshäppchen, für die ich keine Belege habe, wie ein rollender Schneeball zu verbloggten Überschriften wie „Schäuble zensiert Satireseite“ oder „BMI nimmt Satireseite vom Netz“ werden, ganz zu schweigen von einer tasächlich beobachteten Daramatisierung der Tatsachen von Link zu Link. Da halfen – bis auf Ausnahmen – dann auch weder Updates noch Kommentare hier, um das ein bisschen herunterzufahren. Vielleicht ein Thema, über das wir nachdenken sollten. Der Satz

Leider wurde aber mein Hoster nach eigenen Angaben vom BMI ‘gebeten’, mir diese Domain unverzüglich ‘freiwillig’ zu kündigen.

gibt zwar tatsächlich wieder, was mir am Telefon erzählt wurde, aber leider eben nicht die Tatsachen, auf deren Kenntnis ich allerdings noch etwas warten musste. Und je länger ich wartete, desto saurer stieß mir die Situation auf, dass mir ohne Kenntnis der Vorwürfe die Wahl bleibt, meine komplette Seite vom Netz zu lassen (was mir als furchterregendem Linksextremisten natürlich sehr widerstrebte) oder Gefahr zu laufen, wiederholt gesperrt zu werden oder mir womöglich noch größeren Ärger einzuhandeln.

Beim BMI habe ich mit einigen sehr netten Vorzimmerdamen telefoniert, die sich wirklich sehr engagiert um meine Anfrage gekümmert haben, aber lediglich ein kurzes Statement eines Mitarbeiters aus der zuständigen Abteilung weitergeben konnten: „Wäre mir neu, dass wir einfach so Internetseiten sperren könnten!“ Stimmt, war mir auch neu.

Gestern hat sich dann außerdem ein Redakteur von Heise nach einem Anruf bei mir an meinen Hoster gewandt, womit dieser spätestens von dem Trubel erfahren hat, den der Artikel ausgelöst hat, was dann wahrscheinlich auch den Prozess des Informationsaustausches etwas beschleuingt hat :-). Über diesen Redakteur habe ich heute Vormittag bereits erfahren, dass sich sehr wahrscheinlich das BVA eingeschaltet hatte. Kurz darauf hat mein Hoster die Stellungnahme angekündigt, die hier als PDF und hier online zur Verfügung steht und die ich so grundsätzlich nachvollziehen kann.

Die auf der betreffenden Domain bis zum 12.05.2009 einsehbare Webseite ahmte den Internetauftritt des Bundesministeriums des Innern nach. Die Art und Weise der Gestaltung der Webseite, insbesondere unter Verwendung des Logos des Ministeriums und des Bundesadlers, führten zu einer auf den ersten Blick für Besucher der betreffenden Webseite nicht zwangsläufig als Satire zu identifizierenden Darstellung. […] Aufgrund des damit einhergehenden offensichtlichen Rechtsverstoßes, der sich in diesem Fall insbesondere auch auf das mit Bußgeld bedrohte Verbot der Verwendung von Abzeichen des Bundes (§ 124 Abs. 1 Nr. 1 OWiG) stützt, waren wir als Provider nach Kenntniserlangung durch die schriftlich erfolgte Aufforderung des Bundesverwaltungsamtes gezwungen, den betreffenden Internetauftritt umgehend zu sperren und vorübergehend aus dem Netz zu nehmen.

Gut. Die Verwendung des Original-Logos hätte ich mir vielleicht schenken können, allerdings glaube ich, wenn ich die Reaktionen in den Kommentaren und anderen blogs so lese, dass die (und zwar wirklich nur auf den ersten Blick) damals vorhandene Ähnlichkeit genau das bewirkt hat, was sie bewirken sollte: Nämlich einen kurzen Schock in der Morgenstunde.

In dem Schreiben [des BVA] ist ja aber auch gar nicht die Rede von der Verwendung hoheitlicher Zeichen sondern von der Nachahmung der Internetseiten des Bundesministerium des Innern. Aber ist diese Verwechslungs- oder Täuschungsgefahr denn wirklich gegeben? Kann man nicht davon ausgehen, dass jeder, der in der Lage ist, unfallfrei einen Link auf pifo.biz anzuklicken, dahinter kommt, dass auf der Seite des BMI weder Werbung für den in Haft sitzenden und mal mindestens dubiosen Waffenhändler Schreiber geschaltet ist, es dort keine Schäuble-Comic-Fotomontagen und in der Hauptnavigation außerdem weder Links auf Tittenbilder noch auf das Überwachungslexikon geben wird und das BMI auch nicht das Ortsschild von Mügeln als Symbolfoto für Integration verwenden würde? Dass Internetuser auf der Seite des BMI nicht als ‚Sehr geehrte Gefährder und sehr geehrte Gefährderin‘ angesprochen werden? Dass das BMI Kinder nicht als menschenverachtende Terroristen bezeichnen würde und zwar niemals im Leben nicht?

Und ist es nicht außerdem so, dass die Internetseite2.0 des BMI so wie so ganz anders aussieht als die Persiflage?

Original und Fälschung

Was auf jeden Fall bleibt, sind einige üble Nachgeschmäcker und es fällt mir schwer, diese Geschichte nicht mit den zur Zeit geführten Diskussionen um Kinderpornografie im Internet in einen Zusammenhang zu bringen: Warum braucht es die Sperrlisten und neue Gesetze, um unbestreitbar schwerst kriminelle Inhalte unzugänglich zu machen, wenn es ein paar Minuten dauert, harmlose Satireseiten mit wenigen Klicks am Tag vom Netz zu nehmen (bei denen ich die Rechtslage im Übrigen als gar nicht mal als so eindeutig empfinde)? Ohne richterlichen Beschluss, ohne Anhörung des Betreibers und vor allem ohne den Betreiber über die Gründe in Kenntnis zu setzen?

Sei´s drum. Ich habe weder Zeit noch Lust, das juristisch auszuboxen, vielleicht kann ich auch froh sein, keinen Bußgeldbescheid bekommen zu haben, vielleicht bekomme ich den auch noch. Aber ich will hier auf jeden Fall unmissverständlich und in revolutionär-radikaler Manier kämpferisch klarstellen: Ich finde das doof. So.

70 Responses »

  1. ich weiß nicht, ob ich lachen oder heulen soll.
    es ist verdammt traurig, dass es so gelaufen ist und dass so etwas in diesem unserem land bei satire so einfach möglich ist – und bei kinderpornografischen inhalten angeblich nicht.

    ich bin in der tat gerade sehr sprachlos und sehr geschockt. vielleicht sollte ich mir diesen tag in meinem kalender markieren – wer weiß ob mal ein geschichtsbuch verwendung dafür hat.

  2. Ich sach ma was.
    Die Seite hat auf jeden Fall das bewirkt, was sie bewirken sollte. Auf den ersten Blick hat sie dem geneigten Nutzer einen ordentlichen Schrecken eingejagt.
    Ich habe dann auch (damals) mal schnell darüber gebloggt und einen hübschen Screenshot veröffentlicht, der mir momentan (da von Fefe, Gulli und Basic Thinking verlinkt) den Traffic meines Lebens bringt.

    Übrigens:
    „Und ist es nicht außerdem so, dass die Internetseite2.0 des BMI so wie so ganz anders aussieht als die Persiflage?“

    Wenn ich mich nicht irre, sah die damals aktuelle Seite des BMI der Persiflage aber erschreckend ähnlich, oder? Ich glaube mich daran erinnern zu können. Ich denke, das sollten wir den Herren Bürokraten zugestehen ;)
    Wer allerdings nicht in der Lage ist, die „Fälschung“ vom damaligen Original zu unterscheiden, der sollte mit Internetzensur nicht unter 3 Jahren bestraft werden…

    Solidarische Grüße
    wemaflo

  3. Ich bin gespannt, wann ich das nächste mal lese:

    Sperren ist nur ein Teil der „Gesamtstrategie“. Wir tun auch jetzt schon alles mögliche um solche Seiten aus dem Netz zu nehmen…

  4. Hallo, ich frage mich trotzdem, warum gibt es nicht gleiches Recht für alle? – Aus den gleichen Gründen hätte nähmlich folgende Ausgabe von Titanic beanstandet und eingestampft werden müssen.
    http://img14.myimg.de/titanicbackcover309d253d.jpg

    Dennoch zeigt Deine Aktion sehr schön, daß ein Nerv getroffen wurde, und vor allem, daß das BMI bzw. Bundesverwaltungsamt doch mitkriegt, was im I-Netz los ist ;) – Deswegen immer wieder solche Aktionen machen…

    Klar, daß der Pantoffelpunk keine Lust hat, sich mit den Leuten auf einen ernsthaften Rechtsstreit einzulassen, aber meiner Meinung nach ist diese Aktion von der Satire- und Kunstfreiheit gedeckt. – Das BMI bzw. BVA haben sich jedenfalls selber ins Knie geschossen, weil sie haben dadurch extra Aufmerksamkeit generiert.

  5. Was bereits gesagt wurde. Wenn das BMI da eine Verwechslungsgefahr sieht, dann sollten sie sich mal ueberlegen, woran das liegt. Ob nun daran, dass eine Persiflage ihnen zu ähnlich gestaltet ist oder ob nicht vielmehr das BMI der Persiflage inzwischen zum Verwechseln ähnlich wurde.

  6. Das wirklich bedenkliche sollte dabei doch sein, dass es nicht einmal ein Ministerium war, sondern ein „normales“ Amt. Wenn schon solche Sekundärgeigen so einen Rummel verursachen können, was kommt dann noch?

  7. So fängt es also an:sie versuchen, die Leute einzuschüchtern. Ich bin fassungslos und wütend.Drücke dir die Daumen, dass der Kelch mit einen Bussgeld an dir vorbeigeht. Mist, alles ein verdammter Mist.

  8. Pingback: Kreuzberg laesst gruessen

  9. Ich habe ja nun meinen Artikel, ich weiß nicht ob klugerweise, oder aus Feigheit deaktiviert – aber eins hat das Ganze gezeigt: der Streisand Effekt funktioniert, man kann sich auf die ‚Kollegen‘ verlassen und die Aktion hat durch den Zeitpunkt und das gerade aktuelle Thema eine unglaubliche Aufmerksamkeit erregt. Das sicher nicht zur Freude des rollenden Unheils.

    Hier wird Politik vorgeführt, eine Politik, die zum Scheitern verurteilt ist und am Ende scheitern wird.

    ‚Jeder‘ kennt inzwischen die Satire, die Auislöser der Geschichte war ‚und das ist auch gut so‘. Nur mit solchen Aktionen und seien sie auch nur von flashmobartiger Dauer, kann man die Macher der Sicherheit-gegen-Freiheit-Aktivisten vorführen und zeigen, wes Geistes Kind sie sind.

    Das Netz, gedacht militärischen Befehlsstrukturen ein Überleben im GAU zu sichern, sichert der Demokratie das Überleben im Kampf gegen ihre Feinde.

    Darauf sollten wir ein Glas Wein, Bier, oder Tee trinken, ganz nach persönlichem Gusto. Prost!

  10. Im Grundgesetz heisst es:

    Art. 5 III S. 1 GG:

    „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“

    In der 7. Auflage von „Grundgesetz mit Kommentierung“ von Peter Schade heisst es dazu:

    „Was Kunst ist, kann nicht definiert werden; praktisch gehört dazu jede freie schöpferische Gestaltung, in der Visionen, Erlebnisse, Eindrücke in irgendeiner Form veranschaulicht werden, wie Sprache, Musik, Bild, Mauerwerk, Plastik. Unter Umständen genügt es, um etwas als Kunst zu werten, dass der Urheber sein Werk selbst als Kunstwerk betrachtet.

    […] Das BVerfG (Anm.: Bundesverfassungsgericht) hat die Grenzen der Kunstfreiheit sehr weit gezogen […] Kunstfreiheit gilt als schutzbedürftiger denn Jugendschutz. Die Schranken des Abs. 2 Art. 5 gelten eben nicht für die Kunst- und Wissenschaftsfreiheit (Anm.: Gemeint sind vorrangig Jugend- und Ehrschutz).

    Beispiele: Satirische Äusserungen sind durch die Kunstfreiheit so weit gedeckt, dass sogar die Verballhornung der Nationalhymne oder das Urinieren auf die Bundesflagge Grundrechtsschutz genießen können. Ein querschnittsgelähmter Reserveoffizier der Bundeswehr darf in einer satirischen Zeitschrift als „geb. Mörder“ bezeichnet werden“

    Haunse!
    Onkel Waltraud

  11. Kann man nicht davon ausgehen, dass jeder, der in der Lage ist, unfallfrei einen Link auf pifo.biz anzuklicken, dahinter kommt, dass auf der Seite des BMI weder … verwenden würde?

    Antwort: Nein. Ehrlich: Die User sind doch alle so saublöde, denen fällt das nicht auf. Wer verlernt hat zu denken, der erkennt die Satire nicht.

  12. Irgendwie kann ich Deinen (Ex-)Provider gut verstehen: Sein Geschäft darf nicht gefährdet werden.

    Aber dieser vorausschauende Gehorsam entwickelt sich zu einer Gefahr, die wir alle mit Verlust an Freiheit bezahlen.

    Vielleicht findet sich ja ein „Sponsor“, der Dir den Rechtsstreit bezahlt und Dich vor finanziellen Verlusten schützt.

    Die freie Meinungsäußerung und Kunstfreiheit sind doch schließlich schützenswerte Güter – auch im 60. Jahr des Grundgesetzes.

  13. Ach Punker. Im Endeffekt ist doch genau das bei rausgekommen was alle immer irgendwie schon wussten – oder? Ich finde die Sache fuer das BMI mehr als nur peinlich und total überzogen. Daher danke für deine Arbeit und deine Aufklärung.

  14. Die juristischen Aspekte sind allesamt äußerst windig: weder wurde ein hoheitliches Emblem missbraucht, noch wurde die (mittelmäßig gestaltete) BMI-Seite regelrecht nachgeahmt.

    Das einzige, was ich gelten lasse, ist: du hast den Eindruck erweckt, es handle sich um eine BMI-Seite. Daran kann ich nichts strafbares entdecken.

    Wenn etwas strafbares geschehen wäre, wäre außerdem der reguläre nächste Schritt nicht eine fristlose Kündigung, sondern eine Aktion des Staatsanwalts.

    Aber das ganze ist wirklich Wurscht. Die ganze Blödsinnsaktion hat mehr Aufmerksamkeits-Bits produziert, als du so ganz alleine jemals geschafft hättest.

    Das ist das gute an dieser Farce.

  15. Tja, ich denke mal das war erst der Anfang.
    Es wird weiter gehen. Ich für meinen Teil ziehe erstmal auf einen Sever ins Non-Eurpäische Ausland. Da gehen die befugnisse nicht soweit. Mal schauen vielleicht finde ich ja bei unseren Genossen im Osten unterschlupf.
    Egal
    B2t:
    Ich denke du solltest vielleicht mal bei http://www.lawblog.de/
    melden. Ich denke mal der herr Vetter hätte bestimmt ein gewisses Interesse.

  16. Ich finde, die hätten ja vorher mal freundlich fragen/drohen können, ob Du die Seite nicht aus dem Netz nimmst. Hätte bei Erfolg vielleicht auch weniger Aufsehen gegeben.

    Ich empfand Deine Aktion auf jeden Fall als großartige Satire! Verwechslungsgefahr besteht vermutlich grundsätzlich bei all den Webseiten, die aussehen als währen sie aus einem Webbaukasten entsprungen und hätten ein ähnliches Farbschema mitgehen lassen.

  17. Jetzt mal ehrlich !

    Eine bessere Resonanz auf Satire, als das sie tatsächlich ernst genommen wird, kann ich mir nicht vorstellen.

    OK, du hast Ärger dadurch gehabt, aber dem BMI ist durch diese lächerlich Aktion viel mehr Schaden (Image) entstanden.

    Herzlichen Glückwunsch zu einer gelungenen Aktion !

  18. Ich kann verstehen, dass Du keinen Bock hast, da einen Rechtsstreit vom Zaun zu brechen. Allerdings bleiben dadurch Fragen ungeklärt. Denn nun war der Zensurversuch erfolgreich, ohne dass abschließend geklärt worden ist, ob, und wenn ja, auf welche Weise, Deine Website Recht verletzt hat. Vielleicht hat ja sogar Dein Provider ein Interesse an einer rechtlichen Klärung. Denn als Internet-Dienste-Anbieter steht man häufiger vor der Frage, ob eine Beschwerde berechtigt ist oder nicht. Wenn sich die Provider mehrheitlich stets für den Weg entscheiden, im Zweifel erst mal dicht zu machen, dann haben wir eine Infrastruktur, die ohne jede Rechtsgrundlage einfach per meckern zensiert werden kann.

    Das BVA hat jedenfalls keine Rechtsgrundlage, vom Provider die Sperrung zu verlangen. Aber Dein Provider hat Angst, dass seine Geschäfte durch eine mögliche Strafanzeige und folgende Beschlagnahme seiner Systeme gestört werden. Und mit dieser Angst wird gearbeitet. Es ist aber sehr zweifelhaft, ob eine Strafanzeige Erfolg gehabt hätte.

    Das ganze hat auch deswegen eine enorme politsiche Bedeutung, weil die aktuellen gesetzlichen Regelungen zur Verantwortung von Providern ziemlich unklar sind, und der Umgang mit ihnen hoch umstritten.

  19. doof ist das auf jeden fall, aber großartig ist das auch…..
    das darüber berichtet wurde und wird ist das beste was uns allen im moment passieren konnte.
    ganz ehrlich, bei politikern anrufen und denen mails schreiben und auf internetseiten fragen stellen ist toll, zwingt sie aber immer nur mehr oder weniger zu handlungen.
    dein fall, dieser fall, ist kommunikationsguerilla ohne kommunikationsguerilla zu sein, wer hätte das gedacht.
    interessant wäre es wirklich noch ein bisschen direkter mit dem provider kommunizieren zu können, sicher die haben ihre handhabung und wollen/ müssen sich auch irgendwie absichern, aber ist das für die einfach? also auch moralisch? sind ja auch menschen die da sitzen und letztendlich ausführen was andere von ihnen verlangen.

    ich sage jedenfalls riesendank an dich, für die provokation dieser tollen show!

    halt uns auf dem laufenden! kommt ein bußgeld sollte solidarisches kleingeld doch wohl auch noch möglich sein, oder wollen wir denen die uns abfällig als „internetcommunity“ bezeichnen recht geben und nur durch virtuelle handlungen in kabeln und funkmasten verbunden sein?

  20. Danke und alles, Leute. Ich kann mich da jetzt nicht weiter wertend zu äußern. Ich habe mehrere juristische Einschätzungen bekommen (Danke dafür!) und sie könnten nicht weiter auseinander liegen. Die Aktion trägt ja tatsächlich ein klein wenig zur Diskussion bei, was mich natürlich freut, was jedoch anderereits sicher fruchtbarer wäre, wenn klarer wäre, wo konkret die Vorwürfe liegen.

  21. Hab mir gerade die Stellungnahme des Providers durchgelesen: ist schon toll, wenn sich ein Provider in seine Existenz gefährdet sieht, weil er eine Satireseite nicht schnell genug vom Netz nimmt. Scheissland!

    Kannst du nicht fett rot blinkend „Vorsicht Satire“ auf die Seite schreiben und sie wieder Online stellen?

  22. @J. Fuhrmann: Ans Lachen (oder zumindest grübeln wäre nicht am Ziel vorbei), aber das wäre natürlich schrecklich, so was darf Leuten wie dir vermutlich nicht passieren!

  23. Ich danke dir für deinen anregenden Tipp bzgl. neuer beruflicher Perspektiven, aber bevor ich so werde wie du, lass ich es lieber so, wie es ist. :)

    Mir scheint die Sonne aus dem Arsch, was ist mit dir, Schäuble-Fan?

  24. @KRiZZi: Nun, mir scheint die Sonne nicht aus dem Arsch. Das hat damit zu tun, dass bei mir die Sonne gerade durch das Fenster scheint. Ich weiß aber auch, dass ich auf meinem Arsch sitze und nicht vor meinem Fenster stehe. Da ich aber vorsichtshalber einmal nachgesehen habe, wo die Sonne herkommt, muss ich Ihnen leider widersprechen. Sie standen auch nicht vor meinem Fenster.
    Es gibt nun zwei Möglichkeiten. Entweder Sie lügen in Bezug auf Ihren Arsch oder Sie meinen Gott zu sein. Da ich aber an Letzteren nicht glaube wäre das auch an der Wahrheit vorbei.

    Es tut mir auch leid, Sie in Hinblick auf eine sportliche Begeisterung für Herrn Schäuble, enttäuschen zu müssen. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich keine Ahnung habe, welcher Sportart der Herr Bundesinnenminister nachgeht. Ich interessiere mich eigentlich generell nicht für Sport. Wenn man mal vom intensiven Denksport absieht. Das ist aber nicht jedermans Sache. Sie wissen bestimmt was ich meine.

  25. @J. Fuhrmann: Ja, ich denke, ich habe dich schon verstanden. Netter Konter – hat mir gefallen. Was meinen Arsch betrifft: Wenn ich jetzt „jaja“ sage, denke ich, du weißt, was ich meine, oder (vorbei und so…)?

  26. ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das aussieht, wenn irgendwem die sonne aus dem arsch scheint. egal wem!

    wäre es möglich hier ein anderes bild zu wählen in der weiteren diskussion?

    dankbare gruesse,
    st.

  27. Ein kurzer Kommentar zur Wikipedia und Gemeinfreiheit/Schöpfungshöhe: Die Wikipedia interessiert sich hauptsächlich für _urheberrechtlich_ freie Werke. D. h. es werden durchaus auch Werke angeboten, die anderen Einschränkungen wie dem Persönlichkeits- oder Markenrecht (oder bsw. auch Scheine, die dürfen auch nicht beliebig verwendet werden) unterliegen. Insofern ist zwar davon auszugehen, dass das Logo des BMI keinen urheberrechtlichen Schutz genießt – andere Rechte sind davon jedoch nicht betroffen.

  28. Pingback: Mecker-Blog

  29. Grade in der „Zeit“ von deiner Seite gelesen und muss sagen, dass ich die Idee sehr originell finde.
    Ich teile auch die dortige juristische Auslegung des Falls: „Satire darf alles“; weil die Satirehaftigkeit klar zu erkennen war, gab es keine gesetzliche Grundlage für die Sperrung der Seite, wenn nicht durch ein Gericht klar festgestellt würde, dass die Satirehaftigkeit nicht klar erkennbar sei.
    Würde gegen dich entschieden, wäre das gleich ein noch vernichtenderen Urteil für die Politik.

    Dass sie nun gesperrt wurde, ist der Humorlosigkeit von Hells Angies Gurkentruppe geschuldet, sowie der Autoritätsblindheit deines Providers, der lieber vor den Behörden kuscht, als das Grundgesetz zu verteidigen – solche Verhältnisse habe ich bis dato eher in den sogannten Bananenrepubliken vermutet. (Aber bei *der* Gurkentruppe in *dem* Saftladen sind wir vielleicht auf dem besten Wege dorthin.)

  30. Wenn für die Lernbehinderten unter uns bislang ein prominentes Beispiel dafür fehlte, wie man illegale Inhalte (z.B. auch Kinderpornographie) wirkungsvoll aus dem Netz bekommt, hier ist die praktische Lösung!

    Nicht dass die super Persiflage auch nur annähernd in die Nähe derart kriminellen Handelns käme – aber doch kann man hier sehen, wie eine missliebige Seite ruck-zuck und effektiv dem Zugriff der der Massen entzogen wird – ganz ohne Sperrliste und ganz ohne „im Grunde ist sie immer noch da“.

    Kurze Durchsage an Frau Leyen und Herrn Guttenberg:
    Merken Sie was? Wenn man Inhalte aus dem Netz bekommen will, dann geht das ganz schnell. Das Problem ist aber, dass Sie die Inhalte vermutlich gar nicht aus dem Netz haben wollen! Denn nur mit den illegalen Inhalten gibt es einen Grund für Sperrlisten. Meiner Meinung nach wollen sie, dass die Inhalte da bleiben wo sie sind, um zu einem späteren Zeitpunkt sagen zu können, dass die DNS-Sperren viel zu schwach seien. Und weil es immer noch ganz viel Kinderpornographie im Internet geben soll, deren Verbreitung man dringendst verhindern müsse werden Sie und/oder Ihre Kollegen dann die deep-packet-inspection fordern.

    Auch wenn es nur ein begrenzter Trost ist scheint es gerade für Internet-Ausdrucker ein lebendiges Beispiel dafür dass Inhalte prinzipiell aus dem Netz verbannt werden können. Und es ist ein Beispiel dafür, dass es wichtig ist, dass sich der Verbannte gegen die Verbannung aus dem öffentlichen Raum wehren kann (das gilt an den verbliebenen Rest der Demokraten in den C-Parteien).

    Danke & schöne Woche,
    Yussuf Schumbitrus

  31. Was darf die Satire?

    Alles.

    – Kurt Tucholsky

    Dieser vorrauseilende Gehorsam, wenn was amtliches eintrifft, erschüttert mich immer mehr. Man stelle sich nur vor, die Email wäre aus versehen im Spamfilter gelandet/der Brief aus Versehen beim Papiermüll. Während man dann erst mal den Inhaber informiert und diese Bürokraten einfach eine Weile hinhält, könnte man anderweitig schon aktiv werden.

    Aber nein, da schreibt eine Behörde was amtlich wirkendes, behauptet einfach irgendwas und ratz fatz isses vom Netz. Unglaublich. Ich hätte die gebeten, mir nen richterlichen Beschluß zu schicken.

    Ist Zivilcourage denn wirklich schon ausgestorben?

    gruß

  32. Ich bettel seit einer Woche, dass mir von den Mächtigen in den Schaltzentralen der bundesdeutschen Internetausdruckerei mal jemand mitteilt, WARUM die Bitte nach der Sperre an meinen Hoster herangetragen wurde…. keine Reaktion. Lustig, oder?

  33. Naja, da haben sich die ‚Guten‘ doch mal ins eigene Fleisch geschnitten. Eeeiigentlich ist das ja ganz nett, weil es so eindeutig blöd ist. Aber ein wenig Angst macht es irgendwie auch, dass diese Maschinerie so gut funktioniert bei Dingen, die gar nicht so laufen dürften :/

    Liebe Grüße, betreib schön weiter Satire, das machst du gut :)

  34. Jede Wette: Hätte das BVA den Hoster aufgefordert, die Seite nicht nur vom Netz zu nehmen, sondern darüber hinaus eine Verwaltungsgebühr für diesen Vorgang in Höhe von 3,89 Euro erhoben, dann hätte der Hoster einen wütenden und zu allem entschlossenen Kampf gegen diese widergesetzliche Ungerechtigkeit begonnen.

  35. Eine Verwechslungsgefahr kann ich auch bei höchst tolerantem Herangehen nicht erkennen:

    – Die BMI-Seiten werden in sämtlichen modernen Browsern AUSSER dem IE erbärmlich falsch dargestellt. Die Persiflage dagegen korrekt.

    – Die BMI-Seiten sind nur mit eingeschaltetem Javascript einigermaßen komplett benutzbar. Die Persiflage kriegt das auch so hin.

    Also meine Einschätzung: Das BMI sollte sich wenigstens IT-Amateure vom Kaliber unseres Pantoffelpunks einstellen, wenn es nicht regelmäßig und vollkommen unabhängig von jeder Weltanschauung 50% der BRD-Bevölkerung verschrecken will (der IE-Anteil ist in Deutschland ja inzwischen deutlich eingebrochen…)!

    Vielleicht versuchen die es ja mal mit was professionellem, nachdem sie bewiesen bekommen haben, daß es auch anständig geht?

    ——–
    Unabhängig davon: Perfekt gemacht, die unfreiwillige PR-Kampagne! Vielen Dank!

  36. Mein Gefährder ..

    ich empfehle Dir darüber nachzudenken, ob Du nicht, wie unsere nationalsozialistischen Kameraden (Satire!), Deine Website in Amerika hosten lassen solltest. Dort darfst Du Dir sicher sein, dass das BVA/BMI ganz sicher nichts sperren lassen kann.

    Zum Einen, weil es dort kaum irgendwelche Machtbefugnisse aufweissen kann und zum Anderen, weil dort so etwas wie Meinungsfreiheit herrscht:)

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