Die Rente mit 67 – III

Die Rente mit 67 – III

Man sollte, wenn man schlecht gelaunt ist, nicht auch noch bei ben lesen gehen, denn der geht bekannterweise „dahin, wo´s weh tut„, wie Ernst Happel gesagt hätte.

Aber allen Don-DickeHose-Rufen Unkenrufen zum Trotz: die blogosphäre ist wehrhaft und so hat eben ben in Zusammenarbeit mit redblog bereits wunderbare Antworten auf die mindestens genau so teure wie verlogene Werbekampagne „Die Rente mit 67“ gefunden. Guck hier und hier bzw. hier und dort und für Teil V, der vor Teil III entstanden ist, den ich aber zu spät gesehen habe, guckst Du hier.

Ich darf mich mit einem dritten Teil diesem Treiben anschließen? Danke.

Und Tüß, Karl. Danke, dass Du da warst. Danke, dass Du so früh gehst.

Nachtrag: Scheiße, übersehen, woschod hatte auch schon weitergemacht…

Horst Köhler

Horst Köhler

Herr Köhler, mit Ihrer Berliner Rede kommen Sie fast sozialdemokratisch daher, so flammend Ihr Appell gegen das Böse, gegen die Doppelmoral der Welthandelspolitik, gegen die Abschottung der westlichen Märkte und dagegen, dass die Industrieländer sie (Anm.: die armen Länder) mit Produkten zu Dumpingpreisen überschwemmen. Ergreifend, wie sie es anders sagen: „Anders gesagt: Die Armen verhungern auch am Reichtum der Reichen; und diese Reichen mauern sich ein in der Festung Europa, weil sie nicht teilen wollen.“ Sie beklagen außerdem die Ungleichheit der Einkommensverteilung in Deutschland und fordern, der Aufstieg der einen dürfe nicht der Abstieg der anderen sein.

Ich weiß nicht, was da in der Villa Kunterbunt im Schloss Bellevue für Getränke gereicht werden, Herr Köhler, aber Sie wissen schon noch, wie man das Ganze nennt, das Sie da beklagen, oder? Wenn die Kapitalerträge wachsen und die Löhne sinken, wenn eben der Aufstieg der einen der Abstieg der anderen ist, oder – anders gesagt – wenige auf Kosten vieler leben? Das, Herr Köhler, nennt man funktionierender Kapitalismus, Herr Köhler. Wieder zu Hause, jetzt?

Gern geschehen.

Kreisch

Kreisch

Heute erreichte mich eine mail, ich solle bitte die Unterschrift X aus der Liste bei Schäuble! Wegtreten! streichen. Aus datenschutzrechtlicher Sicht könne oder wolle er das jedoch nicht per Mail begründen, nur so viel: „Wer könnte es besser machen?“ Ich löschte seinen Namen, schrieb ihm zurück „kurz zurück gefragt: Glaubst Du wirklich, dass es bei dieser Aktion darum geht, Herrn Schäuble zum Rücktritt zu bewegen?“, gab ihm meine Telefonnummer und er rief mich kurze Zeit später tatsächlich an.

Das Telefonat hat insgesamt eine gute Viertelstunde gedauert. 15 Minuten, in denen er die Aktion an sich kritisierte, mich persönlich beleidigte und mehrere leicht verschrobene Gründe angab, von seiner Unterschrift zurücktreten zu wollen. Der großartigste war, dass ihn eine persönliche Begegnung in den letzten Tagen dazu brachte, Wolfgang Schäuble von der menschlichen Seite zu betrachten. Aus dieser neuen Perspektive sah er einen Wolfgang Schäuble, der nur seinen – sehr schwierigen – Job machen würde, die Menschen in Deutschland vor Terroristen zu beschützen. Dabei erlasse er ja nicht einfach Gesetze, sondern fülle diese Aufgabe so aus, dass er Ideen und Möglichkeiten zur Diskussion stelle und das sei ja sehr demokratisch. Alles in allem sei Wolfgang Schäuble gar nicht so schlecht, vor allem menschlich gesehen (hihihi) und er sehe darum im Moment nicht, ihn zum Rücktritt bewegen zu wollen.

Der junge Mann, mit dem ich telefoniert habe, ist Mitglied der Grünen Jugend.